Mineralstoffkunde · Eisen
Vier Angaben zu Eisen sind in der Europäischen Union zugelassen. Titanitfeld zeigt, welche biologischen Vorgänge hinter jedem einzelnen Satz stehen.
Den Wegweiser öffnenSauerstoff löst sich schlecht in Wasser. Wäre das Blutplasma der einzige Träger, könnte ein Liter Blut nur etwa drei Milliliter Sauerstoff mitführen — zu wenig, um einen ruhenden Menschen über eine Minute zu bringen. Tatsächlich transportiert derselbe Liter rund zweihundert Milliliter. Den Unterschied macht ein Eiweiß, das ohne ein Metallatom nicht funktionieren würde.
Hämoglobin besteht aus vier Untereinheiten. Jede von ihnen umschließt eine flache, ringförmige Struktur, das Häm, und in dessen Mitte sitzt ein einzelnes Eisenatom. Vier Untereinheiten, vier Häm-Gruppen, vier mögliche Sauerstoffmoleküle pro Eiweiß.
Das Eisenatom im Häm liegt zweiwertig vor und wird von vier Stickstoffatomen des Porphyrinrings in der Ebene gehalten. Senkrecht dazu bleiben zwei Bindungsstellen frei: die eine besetzt ein Histidin der Proteinkette, die andere nimmt Sauerstoff auf. Bemerkenswert daran ist, dass diese Aufnahme keine Oxidation ist — das Eisen bleibt zweiwertig, der Sauerstoff wird gebunden und in der Körperperipherie wieder abgegeben. Fachlich heißt der Vorgang deshalb Oxygenierung.
Sobald die erste Untereinheit Sauerstoff gebunden hat, verändert sich die Gestalt des gesamten Moleküls leicht, und die drei übrigen Bindungsstellen nehmen Sauerstoff bereitwilliger auf. Im säurereicheren Milieu arbeitender Muskulatur läuft derselbe Mechanismus rückwärts: das Eiweiß gibt Sauerstoff dort ab, wo er gebraucht wird.
Ein Erythrozyt lebt etwa 120 Tage. Danach wird er in Milz und Leber abgebaut, das enthaltene Eisen jedoch nicht ausgeschieden, sondern von Fresszellen zurückgewonnen und über das Transportprotein Transferrin erneut ins Knochenmark geliefert. Rund 25 Milligramm Eisen kreisen auf diesem Weg täglich, während aus der Nahrung nur ein bis zwei Milligramm hinzukommen.
Damit aus einer Stammzelle ein reifer roter Blutkörper wird, sind mehrere Teilungsschritte nötig. Die Erythropoese gehört zu den teilungsfreudigsten Vorgängen des Organismus überhaupt.
Außerhalb des Hämoglobins nutzt der Körper genau die Eigenschaft, die im Häm unerwünscht wäre: Eisen kann ein Elektron abgeben und wieder aufnehmen, also zwischen der zwei- und der dreiwertigen Form wechseln. In den Mitochondrien reihen sich Proteine aneinander, die diesen Wechsel nacheinander vollziehen und dabei Elektronen weitergeben wie Eimer in einer Kette. Zwei Bautypen kommen vor: Eisen-Schwefel-Cluster und Häm-Gruppen in den Cytochromen.
Aus dem dabei aufgebauten Protonengefälle formt die ATP-Synthase den Energieträger, den jede Zelle für ihre Arbeit abruft.
Im Körper einer erwachsenen Person stecken drei bis fünf Gramm Eisen — weniger, als ein Esslöffel Salz wiegt. Etwa zwei Drittel davon sind im Hämoglobin gebunden, ein weiterer Teil liegt als Ferritin in Leber, Milz und Knochenmark auf Vorrat, kleinere Mengen finden sich im Myoglobin der Muskulatur und in einigen Dutzend Enzymen.
Anders als etwa Natrium oder Kalium besitzt Eisen keinen aktiven Ausscheidungsweg. Verloren geht es fast ausschließlich passiv: mit abgeschilferten Darm- und Hautzellen, über Haare und Nägel, bei Blutverlusten. Zusammen sind das etwa ein Milligramm am Tag. Weil der Ausgang so schmal ist, sitzt die Steuerung am Eingang — das Leberhormon Hepcidin bestimmt, wie viel Eisen die Darmwand überhaupt ins Blut weitergibt.
Titanitfeld geht diesem Haushalt Schritt für Schritt nach: welche Mengen sich wo befinden, welche Zahlen die europäischen Referenzwerte nennen und welche vier Sätze zu Eisen in der Europäischen Union überhaupt gesagt werden dürfen. Wo eine Zahl genannt wird, steht dabei, woher sie stammt.
Die folgenden vier Sätze stehen so im Register der Europäischen Kommission. Jeder Satz gehört zu einem eigenen physiologischen Vorgang und wird hier einzeln zitiert — zusammen mit dem, was in der Fachliteratur dazu beschrieben ist.
In einem einzigen roten Blutkörperchen stecken etwa 270 Millionen Hämoglobin-Moleküle. Rein rechnerisch bietet jeder Erythrozyt damit über eine Milliarde Andockstellen für Sauerstoff an. In der Lunge, wo der Sauerstoffdruck hoch ist, werden diese Plätze zu über 95 Prozent belegt; im Gewebe, wo Kohlendioxid anfällt und der pH-Wert sinkt, löst sich die Bindung wieder.
Die roten Blutkörperchen legen dabei in etwa vier Monaten rund 400 Kilometer durch das Gefäßsystem zurück und passieren dabei Kapillaren, die schmaler sind als sie selbst.
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Das Gehirn macht rund zwei Prozent des Körpergewichts aus, beansprucht aber etwa ein Fünftel des aufgenommenen Sauerstoffs. Eisenhaltige Enzyme sind dort zusätzlich an der Bildung von Botenstoffen sowie am Aufbau der Markscheiden beteiligt, die Nervenfasern umhüllen.
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
An der inneren Mitochondrienmembran geben eisenhaltige Bausteine Elektronen der Reihe nach weiter. Das dabei entstehende Protonengefälle treibt die Herstellung von ATP an — jener Verbindung, aus der Muskelzellen, Nervenzellen und Drüsenzellen ihre Arbeitsenergie beziehen.
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Bevor sich eine Zelle teilt, muss sie ihr Erbgut vollständig kopieren. Die Bausteine dafür — Desoxyribonukleotide — stellt ein einziges Enzym bereit: die Ribonukleotid-Reduktase. In ihrem aktiven Zentrum sitzen beim Menschen zwei Eisenatome, die gemeinsam ein Radikal stabil halten, ohne das die Umwandlung nicht stattfindet.
Besonders sichtbar wird das in Geweben mit hohem Umsatz: in der Darmschleimhaut, in den Haarwurzeln und im blutbildenden Mark, wo pro Sekunde über zwei Millionen neue rote Blutkörperchen entstehen.
Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Der Wegweiser führt die Zahlen zusammen, die auf dieser Seite nur angerissen werden: Bestandsgrößen, Tagesbilanz, Referenzwerte nach Lebensphase und der Eisengehalt von 60 Lebensmitteln.
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